|
Westfälische Rundschau v. 04.05.85, S. 3:
Erste Mitgliederversammlung seit dem Bestehen
Heftige Debatten bei Olper "Zangengeburt": Neue Schützensatzung
 Bei der Generalversammlung der Olper Schützen am Mikrofon: Kreisschützenoberst Manfred Schröder.
(WR-Bild: hem)
Olpe. (hem) "Das war aber eine Zangengeburt", kommentierte Horst Müller,
Vorstandmitglied des St.-Sebastianus-Schützenvereins Olpe , nach erbittertem Wortgefecht zwischen Vereinsspitze und Schützenbrüdern am Donnerstagabend die
Verabschiedung des neuen Satzungsparagraphen acht, der unter anderem die Vorstandswahl regelt. Auf derart heftige Diskussionen bei der ersten
Mitgliederversammlung seit Bestehen des Olper Schützenvereins war der vorstand offenbar nicht gefaßt gewesen. Hatten von den 2 700 eingetragenen Mitgliedern auch nur 162 den Weg in die Olper
Stadthalle gefunden, wurde der Vorstand doch mit einigen Vertretern des "harten Kerns" konfrontiert, die so manchen Paragraphen der neuen Satzung nicht ohne eingehende Diskussion bewilligen mochten.
Neue Impulse wollen die Schützen mit der vom Vorstand erarbeiteten Satzung geben, die die alten, reichlich "verstaubten" Vereinsstatuten aus dem Jahr 1929
ersetzen sollen. Bislang waren Satzungsänderungen zumeist vom Vorstand beschlossen und anschließend bei den Korporalschaftsversammlungen verkündet worden.
Schon Paragraph Nummer drei erregte die Gemüter: "Mitglied des Vereins kann jede männliche Person werden", heißt es dort. Hier meldete sich der Ehegatte des
einzigen weiblichen Mitgliedes des St.-Sebastianus-Schützenvereins zu Wort. Er mußte sich mit dem Hinweis bescheiden, daß seine Fru mit dem Eintritt in den Verein auf jegliche aktiven Rechte verzichtet habe.
Bei der Regelung der Beitragshöhe wollten die Schützenbrüder dem Ansinnen des Vorstandes auf Eigenbestimmung nicht Rechnung tragen. Sie beschlossen
mehrheitlich, eine Beitragsanhebung zwar vom Vorstand vorschlagen, jedoch von der Mitgliederversammlung absegnen zu lassen. Neu in das Regelwerk der Olper Schützen ist der Paragraph 19 gelangt, der unter
anderem eine jährliche Mitliederversammlung am zweiten Freitag im März festschreibt. Für Erheiterung sorgte Heribert Burghaus mit seinem Kommentar zum
Paragraphen elf ("Die Mitglieder ds Vorstandes tragen Uniform"). "Warum habt ihr sie heute nicht an?", fragte er die darob doch ein wenig erstaunt dreinblickenden Vorstandsmitglieder.
Nach der Bemerkung von Benedikt Stahl, daß es nur noch 78 Tage bis zum Schützenfest seien, beeilte sich Rendant Horst Müller mit seinem Kassenbericht.
279 362 Mark konnte der Verein als Einnahmen verbuchen - bleiben nach einer leichten Schuldentilgung noch rund 1 500 Mark an Überschuß. Allerdings stehen für
Ende 1984 noch rund 210 000 Mark Verbindlichkeiten im Kassenbuch. Die sollen jedoch bis Ende 1985 auf 170 000 Mark gedrückt werden.
Bei einem geschätzten Immobilienvermögen von 2 Millionen DM und heute nur noch 76 Tagen bis zum Schützenfest sicherlich kein Beinbruch.
|